Giganten

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Drei Studenten treffen sich austauschend auf dem Campus
Der Eitelste ich höre fasziniert Vorlesungen über Philosophie
Mein Dozent ein Kenner Nietzsches Hegels und Satres schwärmend

Und die Kybernetikseminare sind eine Offenbarung
Da müsst Ihr gelegentlich als Gasthörer das Staunen lernen
Der intellektuelle Boss und Nike tragende Modernist

Nun mein Lehrer ist ein unakademischer einfacher Mann
Manchmal sanft wie eine Frau dabei gütig feinfühlig
Und so lebensweise das Es mir die Sprache verschlägt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sein

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Du bist ganz Oben also
Im Himmel bei den Engeln
Und ein Neues Leben steht bevor

Was willst Du werden sein jetzt bald
Vogel Tier ein Stein Pflanze auch
Oder bist Du neugierig mutig wie ein Mensch zu sein

Hm ja wie soll ich sagen
Also dann würde ich doch lieber
Am besten wäre vielleicht

Schwupfs denn Engel können Gedanken lesen
Liegst Du schon in einer Wiege
Krähst und schreist nach Mutters Brust

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stilleben

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Eine alte Holztischplatte
Darauf eine Kerze leuchtend
Ein Schreibfederkiel

Das gläserne Tintenfaß
Ein scheinbar leeres Blatt Pergament
Sowie eine darüber liegende Rose

Unterhalb der Blüte verhüllt
Erkennt das Auge Buchstaben
Das verloren geglaubte Wort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Güldür Gül

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Ich war heute in der Großen Stadt
Heimwärts in Pasing passierte Es
Ist Pasing eine Passage der Anderswelt

Eine Taube auf dem gegenüberliegendem Bahnsteig
Krümelreste pickend dann zwei drei mehrere Artgenossen
Und der kleine Taubenschwarm flattert zu mir herüber

Eine Frau gute sechzig Mütze Turnschuhe
Hände in den Pastikjackentaschen vergraben
Scheucht die Täubchen genervt energisch weg

Was Sie denn an Ihnen störe
Das wollen Sie wohl wissen schroff
Weitere Fußstapfentritte den Tieren hin

Was tun Sie  Ihnen denn
Ach lassen Sie mir meinen Frieden Sie agressiv
Ihre gestutzen Seelenflügel schmerzen jene Frau

Station Westkreuz umsteigen eine schwarz gekleidete
Türkin fünfzig setzt sich auf die Stahlgitterbank
Genau Rücken an Rücken zu mir Taschentelefongespräch

Dann beendet spricht Sie zu sich selbst Keine Freiheit
Was sagen Sie da ich Lächelnd Sie ich habe morgen frei
Und muß doch arbeiten weil eine Kollegin erkrankt ist

Kismet inshalla Was ist Ihr Beruf an mich gerichtet
Lächeln ich beginne das Türkische Lied Güldür Gül
Die lächelnde Rose zu singen Die S-Bahn fährt ein

Die Türkenmenschin steigt zu fragt Fährt die in die Stadt
Ich jaaa Die Welt ist wieder in Balance
Das Schicksal in der Waage ausgeglichen

Picasso malte die Friedenstaube mit Palmzweiglein
Im Schnabel und kürzlich war Weihnacht
Das Fest des Friedens

 

 

 

 

 

 

Der Seher

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Die Kontinentalplatten des Nationalismus
Bebten sich verschiebend und die antisozialen
Spannungen führten zu vulkanischen Entladungen

Die religiösen ungelösten Widersprüche
Erzeugten Stürme Tornados und Orkane
Wie auch die Meere über die Ufer traten

Ob der gestauten unterdrückten Freiheit
Die sich in einem Aufbäumen Luft verschaffte
Selbst der Himmel  Sonne Mond und Sterne

Erzitterten über das ignorierende
Anmaßende Unweltbild sich aufgeklärt nennender
Irrender ja verlogener naturwissenschaftlicher Ignoranz

Dann sah der Seher Wundervolles
Und dies wurde all das was schon immer
Darauf wartete gewollt ersehnt geliebt zu sein

 

 

 

 

 

 

 

Erleuchtung

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Wir wissen nicht was Buddha genau wahr nahm
Doch erhellt nimmst Du leuchtend wahr
Das die Steine dieser Mauer einst Meeresablagerungen

Damals Leben trugen nun verhärtet
Dir das Deine stützend tragen
Wie die Knochen eines gebleichten Skelettes

Die Gewissheit in sich bergen
Das einst ein Mensch aus Fleisch und Blut
Feurigem Geist sehnender Seele und Körper

Hier unten tief im Stoff geronnenen Lichts
Einen Seinen Lebensweg damit ging
Die Welt im Herzen erschauend und erfahrend

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geliebte

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Ohne Dich kann ich nicht leben
Ei warum lebst Du dann noch
Ach nur aus der Sehnsucht nach Dir

Du bist meiner Sonne Mond
Augenstern und täglich Brot
Dürstest mich Verschmachtenden

Mit nur einem Blick von Dir
Wenn ich wache oder träume
Immerda von mit nur Dir

Und unsere Hochzeit bald
Verlobte Angetraute mir
Öffne ich des Käfigs Tür

Das Du frei in die Lüfte fliegst
Dem Geliebten entgegen
Vereint auf immerda

 

 

 

 

 

 

 

Erfahren

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Heute fahre ich mit der S-Bahn in die Große Stadt
Früher betitelt „Weltstadt mit Herz“
Heute benannt „Stadt von Leptop und Lederhose“

Die Menschen am Bahnsteig befremdend
Denn Sie schauen befremdet in die Welt
Ich grüße Sie denn Sie sind ja meine Schwestern und Brüder

Wozu dichtete verdichtete sonst Friedrich Schiller
In Seiner Ode an die Freude
Freude schöner Götterfunke alle Menschen sind Geschwister

Was ich nun auf dieser Fahrt erlebe
Ist nur meine Innenweltspiegelerfahrung
Die blondierte Mittelalterfrau strickt versunken meditativ

Ich erhebe mich vom Sitz Sie zwei Reihen entfernt
Rufe schön Schweigen nochmals lauter schön
Sie scheint schwerhörig strickt unberührt weiter

Ich setzte mich „Sehend blind hörend taub“
Die S-Bahn hat Stationshalt
Lauter Engel in Menschenverkleidung steigen hinzu

Sie haben gestutzte Flügel
Ihr strahlendes Lichtwesen verhüllt
Oder wie so oft rauben stehlen lassen

Viele auch unbewusst um in der Dunkelheit
Nicht leuchtend aufzufallen
Die Automatenstimme Nächste Station Freiham

Ja ich fahre in die Freiheit erfahre Sie
Hier und jetzt im kalten grauen Winter
Bitte gehen Sie aus der Lichtschranke

Mahnt befiehlt die energische Bayerische Zugführerin
Genervt über den Lautsprecher
Schrankenloses Licht

Die Himmelstür steht weit geöffnet
Station Neuaubing Alles wird neu
Am Sockel des Betonbahnsteiges

Ein grünes die Hoffnung gesprühtes
Graffiti I love you mit Herz
Kein Name namenloses Lieben

 

 

 

 

 

 

 

Götterzorn

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Ja ich habe Es geschafft
Frag mich nicht wie
Ob im luciden Traume

Oder mythischer Entrückung
Gleichwohl nur Fantasie
Das ich im Götterhimmel

Zeus selber hab erschaut
Als kleiner Amorpute verborgen
Konnt mich der Göttervater sehn

Mit allgewaltger Stimme donnernd spricht
Der Hehre ich lass los ein Weltgericht
Den Menschen unverbesserlich

Zu tilgen weg vom Erdenrund
Mit Blitz und Rauch und Feuer
Das sich das Leben runderneuer

Hera und Venus Aphrodite auch
Nebst Europa einst geraubt
Poseidon und nach altem Brauch

Die Sybillen standen schreckensbleich und stumm
Pandora grinste und Zerberus knurrte laut
Da warf ich mich dem Gott zu Füßen

Oh Höchster vor dem Höchsten mein
Lass Gnade walten schenke eine letzte Frist
Ich kenne Sie da unten bin von Eurem Ihrem Blut

Wie das Du Kleiner
Woher Deiner Kühnheit Mut
Sieh Zeus mein Herz

Es pocht mit jedem Pulse Schlag
Der Liebe rein ein Ja der Angst ein Nein
Halt inne warte um ein Jahr

Der Mensch ganz schlafend und betört
Er wird erwachen und verstört
Sich Deiner Seiner selbst erinnern

Der Gott die Blicke Minen aller sehend
Rauft sich den Bart beminnend
Wohl kann ichs nicht verstehen

Doch sei gewährt die letzte Frist
Das sich der Mensch besinne
Woraus Er stamme sei und ist

 

 

 

 

 

 

Der Guru

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Ein Guru so die Namensbedeutung
Ist einfach ein Lehrer
Eine Lehrende

Und Schüler empfangen von Seinem Geiste
Beseelt Aufklärung in wirren Zeiten
Unterweisung inneren Wissens

Jener Seinzusammenhänge
Die die veräußerlichte Weltgeschichte
Abweisend nicht zur Kenntnis nimmt

Religionen Philosophien und
Das Mysterium Mann Frau
Nebst einer Lebenskunde

Die Mikrokosmos Kosmos und Makrokosmos
Umfasst und als einander wechselwirkend erkennt
Alltagsbewältigung und Feste feiern

Heiterkeit bei Allem
Humor und Heiliger Ernst
Mitfühlendes Lieben Du mein Herzensguru