Archiv für den Monat März 2020

Stille

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Vor nicht all zu langer Zeit ja erst gestern
Sangen wir Stille Nacht heilige Nacht
Die Stille und Das Schweigen Ingmar Bergmanns

Und doch ist alles so berede angstzitternd
Fanatisch gekränkt fremdbestimmt und
Die Meinungshoheit herrscht unerbittlich

Hörst Du das Volk ächzsen und stöhnen
Wie die Rahe eines hölzernen Segelschiffes
Im Sturm knarzen und stumme Schreie

Derer die wähnen tötlich bedroht zu sein
Und die welche noch allen Verstand begeistert
Beisammen und durchschauen das üble Spiel

Ach Ruhe mag angenehm neu und willkommen
Doch wisse das der Sturm sie ankündigt
Und nur der Biegsamme wie auch der Starke

Weder entwurzelt noch gebrochen sein wird
Erzwungene Stille und ruhende Geschäftigkeit
Sind grauenvoll und heilig zugleich

 

 

 

 

 

 

 

Das Mütterchen

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Hart am Waldesrand abseits der Dörfler
Steht das Häuschen der Alten
Alle nannten Sie das Mütterchen

Hätte Sie einen Rundrücken
Warzen auf der krummen Nase
Dann hieße Sie wohl eher die Hexe

Ob Sie je jung mit Mann und eignen
Kindern keiner wusste darum fragte danach
Blumen und Kräuter zieren den Garten

Obstbäume von denen die Kinder
Alljährlich kosteten und ja wie auch
Die weiße Katze Schnurribunt streichelten

Wenn jemand Rat suchte Sie riet
Kräuter Tee zur Linderung erbat Sie gab
Die Kinder lernten Lieder tanzten Ringelrei

Das Mütterchen denn gleich ist die Geschichte
Vorbei starb nicht wurde immer jünger und
Als die Autobahn gebaut wurde ward der Ort leer

 

 

 

 

 

 

 

 

Schach Patt

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Sie verkündeten das strategische  Schachspiel
Höre Spiel sei ein königliches Unterfangen
Weit gefehlt denn der wahre König

Ist der treu fördernde Diener Aller
Und der Krieg der Machtgierigen lehrt
Verherrlicht sucht das vernichtende Matt

Schwarz und weiß entbehren der Farben
Verkünden die Weißen müssen die Schwarzen
Bekämpfen und umgekehrt die Falle schnappt zu matt

Ich aber verkünde die ursprüngliche Regel
Das alle Spieler bunt sind farbenfroh
Und diese freudige Lebendigkeit ist erlangt

Wenn Du die weiße Königin neben den
Schwarzen König stellst und die schwarze
Königin neben den weißen König setzt remis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitlinien

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Meinst Du wir schaffen das
Wer wenn nicht wir
Wie das nur wir beide ganz allein

Warts ab Du wirsts schon sehen
Wenn Du und ich als erste beginnen
Wirds anregend bei vielen zugleich geschehen

Die Zeit ist keine außschließende Einbahnstraße
Weder lähmende Sackgasse noch Holzweg
Die Zeit wirkt wie ein mächtger Baum

Mit Wurzeln erdentief und schwer
Einer Blütenkrone himmelhoch leicht
Früchte tragend der Unendlichkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10 kleine Negerlein

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Zehn kleine Negerlein ob Schwarze
Oder Farbige die gingen Jagen im Busch
Da kam ein schwarzer Sklavenjäger

Und fing eines verkaufte es am Sklavenmarkt nach Amerika
Zur Baumwollschinderei im Bauche eines dunklen Schiffes
Da starb es dann vor Grauen da warens nur noch neun

Neun kleine Negerlein die zogen durch die
Savanne da kam ein großer Löwe daher
Fraß eines und den Fliehenden wars bange

Acht kleine Negerlein die trafen einen feisten dürren
Kuttenmann der fuchtelte mit einem Kreuz darauf
Ein toter halbnackter Mann da warens nur noch sieben

Sieben kleine Negerlein die Tanzten zu einem Fest
Da kam ein Antropologe nahm einen zur Forschung mit
Der Geschichte Verlauf gab ihm den Rest

Sechs kleine Negerlein die lebten in der Bronx
Der eine wurde Marvin Gaye Soulsänger bester
Klasse Mann da erschoß ihn sein Vater weil

Fünf kleine Negerlein die hatten einen Traum
Der eine wurde Martin Luther King
Und starb durch eines weißen Täters Kugel Wahn

Vier kleine Negerlein die hörten staunend
Das hoch im Norden das gelobte Land
Da stiegen sie am Mittelmeer in ein Boot das sank

Der eine konnte Wüstensohn nicht Schwimmen
Da warens aller guten Dinge nur noch drei
Drei kleine Negerlein die hatten Ihren Pässen

In einem Fluß in Österreich das Schwimmen beigebracht
Und wurden Fachkräfte Neubürger Zuwanderer denn
Deutschland ohne sie wär bald verloren gute Nacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der alte Mann

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Der alte Mann auf der Bank
Nein keine Plastikgeldautomaten
Versagungsgeschichte schon jetzt hier

In der wärmenden Frühlingssonne
Auf der graffitigeschmückten Bretterbank
Sitzend mit Blick über den silbrigen Wörthsee

Und im Bildvordergrund denn er
War gelernter Fotograf die heuer noch
Schneefreie Kinderrodelwiese leer

Blieb Ihm die Zeit sich auflösend stehen
Als Sein Leben fünfminütiger Quintessenz
Dessen Geschichten allemal literarisch

Märchenhaft bedeutungsschwer und leichthin
Nur selbstinszenierte Lehrstücke des Erwachens
Im Nachhinein wohl orchestriert erklingend

Sich in einer Kaskade Bachscher Orgelfugen
Engelbegleitet fantastisch und zugleich
Hoch philosophisch in einem weisen

Dankbaren Seufzer lächelnd entspannte
Der Mann saß da offenen Auges träumend
Hellwach als man Seine leblose Hülle fand

 

 

 

 

 

 

 

Der Mann

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Hastete durch die Straßen
Jeder der Ihn wahrnahm
Sah seine hassende Angst

Auf der Flucht zugleich Verfolger
Und die Straßen wurden leer
Und leerer denn der Hass

Hat Sie alle in Ihre Wohnhöhlen
Appartementverwahranstalten und
Geldvillenbunker kasserniert

Der Mann rieb sich die Hände
Und schlenderte durch die leeren
Straßen bis er eine Frau traf

Die sich nicht an die Ausgehsperre hielt
Die Es wagte frei herumzulaufen
Da kochte die Rachsucht in ihm hoch

Er wurde erst rot und dann bleich
Im Gesicht viel die Maske röchelnd
Lag er da vor der Liebe sich windend

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Holle

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Mache klagen das Leben sei eine Last
Die Existens ein einziger Überlebenskampf
Andere empfinden Es schlicht und ergreifend märchenhaft

So sind auch wir hier von bescheidenem Gemüt
Stammen ab wie Du von Göttlichem Geblüt
Sind ungebildet einfach Handwerksleut

Hört die Mär lauschet nun der Kunde
Was der Volksmund uns hier gebeut
Ist verständlich für Kind und Kegel Jedermann

Da ruft der Abfall stinkend bittend zu entleeren
Die Wäsche muffelnd will wieder duftig nun gewaschen sein
Der Boden schmutzig lechzt gesäubert zu erglänzen

Die Fenstergläser stumpf geputzt erstrahlen hell
Und eine leere Vase ach Blumen in mir sind gar so schön
Viel mehr als dieses wäre anzumerken jedoch

Rasch seis hier geendet gebietet uns die Zeit
Was Du getan mag wohl bescheiden scheinen
Doch liebend ists dem Leben reinstes Gold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilende

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In entsprechenden Kreisen
Trägt eine geistige Wesenheit
Den vieldeutigen Namen Heiland

Ein heiles Land und dies ist nicht
Alleinig einzigartig  das sogenannte
Heilige Land in Palästina

Heilend ist all dies erkennend
Was uns Kränkungen bewusst
Sein läßt sowohl Anderen angetan

Als uns selbst zugefügt
Dann ist die sanfte Medizin
Morgens allen vergeben

Und abends uns verzeihen
Niemand kann uns heilen
Doch vorbildhaft heil sein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilige

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Scheinheilige kennen wir zur Genüge
Und die Katholiken verdammten
Jeanne d Àrc gefoltert und verbrannt

Um Sie danach heilig zu sprechen
Kennst Du einen Heiligen jetzt und hier
Eine Heilige da oder dort Nein ach o weh

Ich sehe in jedem Menschenkind immer auch
Gleich ob klein noch grün hinter den Ohren oder
Hochbetagt Heilige schimmernd durch den Schleier der Zeit