Archiv für den Monat Januar 2019

Der Ritter

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Es war einmal ein Ritter
Der liebte ein Burgfräulein
Und schenkte eine Rose Ihr

Das Burgfräulein freute sich
Doch insgeheim liebte Sie
Einen mittellosen Trobadur

Dann schenkte der Ritter
Der Verehrten einen Ring
Das Burgfräulein freute sich

Doch offengestanden liebte Sie
Einen versereichen Minnesänger
Der um Sein Glück nicht wusste

Da ward ein Fest der Ritter im Turnier
Das Fräulein bewunderte den kühnen Mann
Doch eingestanden nein liebte Sie Ihn nicht

Da sang der Trobadur dem Hof Sein Lied
Und hingeschmolzen schluchzte die Begehrte
Und alles Volk der Hof erkannten Ihres Herzens Glut

Worauf  die Hochzeit bald gehalten
Und Blumen Rosen ausgestreut von Kinderhand
Der Ritter selber sich Ihnen schützend anverwandt

 

 

 

 

 

 

 

 

Schicksal

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In Indien bin ich das Karma
Der Orient Kismet mich benennt
Und des Abendlandes Schicksal

Ist unbegriffen dunkel vage
Eher dräuend schwer mich ganz verkennt
Dabei ist was Du säest Ernte

Wie Du in den Wald rufst
Halt Es zu Dir zurück
Schicksal liebend ist höchstes Glück

 

 

 

 

 

 

Die Perle

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Ich bin ein Perlentaucher
Einfach und reich ist mein Leben
Das Meer meine Mutter

Und der besonnte Himmel mein Vater
Täglich fahre ich hinaus
Nackt springe ich in die Fluten

Und am Meeresgrunde suche finde ich
Jene Muschelwesen deren zartes Innenleben
Von einem Sandkorn kleinem Stein besucht

Ihnen Schmerz nur kurz bereitet
Denn dann heißen Sie willkommen
Was vordem fremd und unvertraut

So an und aufgenommen wirkt und bildet
Sich der Gast erfreut umhüllt zu einer Perle
Wundersam leuchtend wie ein schimmernder Stern

 

 

 

 

 

 

Für Seniha

 

 

 

Giganten

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Drei Studenten treffen sich austauschend auf dem Campus
Der Eitelste ich höre fasziniert Vorlesungen über Philosophie
Mein Dozent ein Kenner Nietzsches Hegels und Satres schwärmend

Und die Kybernetikseminare sind eine Offenbarung
Da müsst Ihr gelegentlich als Gasthörer das Staunen lernen
Der intellektuelle Boss und Nike tragende Modernist

Nun mein Lehrer ist ein unakademischer einfacher Mann
Manchmal sanft wie eine Frau dabei gütig feinfühlig
Und so lebensweise das Es mir die Sprache verschlägt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sein

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Du bist ganz Oben also
Im Himmel bei den Engeln
Und ein Neues Leben steht bevor

Was willst Du werden sein jetzt bald
Vogel Tier ein Stein Pflanze auch
Oder bist Du neugierig mutig wie ein Mensch zu sein

Hm ja wie soll ich sagen
Also dann würde ich doch lieber
Am besten wäre vielleicht

Schwupfs denn Engel können Gedanken lesen
Liegst Du schon in einer Wiege
Krähst und schreist nach Mutters Brust

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stilleben

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Eine alte Holztischplatte
Darauf eine Kerze leuchtend
Ein Schreibfederkiel

Das gläserne Tintenfaß
Ein scheinbar leeres Blatt Pergament
Sowie eine darüber liegende Rose

Unterhalb der Blüte verhüllt
Erkennt das Auge Buchstaben
Das verloren geglaubte Wort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Güldür Gül

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Ich war heute in der Großen Stadt
Heimwärts in Pasing passierte Es
Ist Pasing eine Passage der Anderswelt

Eine Taube auf dem gegenüberliegendem Bahnsteig
Krümelreste pickend dann zwei drei mehrere Artgenossen
Und der kleine Taubenschwarm flattert zu mir herüber

Eine Frau gute sechzig Mütze Turnschuhe
Hände in den Pastikjackentaschen vergraben
Scheucht die Täubchen genervt energisch weg

Was Sie denn an Ihnen störe
Das wollen Sie wohl wissen schroff
Weitere Fußstapfentritte den Tieren hin

Was tun Sie  Ihnen denn
Ach lassen Sie mir meinen Frieden Sie agressiv
Ihre gestutzen Seelenflügel schmerzen jene Frau

Station Westkreuz umsteigen eine schwarz gekleidete
Türkin fünfzig setzt sich auf die Stahlgitterbank
Genau Rücken an Rücken zu mir Taschentelefongespräch

Dann beendet spricht Sie zu sich selbst Keine Freiheit
Was sagen Sie da ich Lächelnd Sie ich habe morgen frei
Und muß doch arbeiten weil eine Kollegin erkrankt ist

Kismet inshalla Was ist Ihr Beruf an mich gerichtet
Lächeln ich beginne das Türkische Lied Güldür Gül
Die lächelnde Rose zu singen Die S-Bahn fährt ein

Die Türkenmenschin steigt zu fragt Fährt die in die Stadt
Ich jaaa Die Welt ist wieder in Balance
Das Schicksal in der Waage ausgeglichen

Picasso malte die Friedenstaube mit Palmzweiglein
Im Schnabel und kürzlich war Weihnacht
Das Fest des Friedens

 

 

 

 

 

 

Der Seher

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Die Kontinentalplatten des Nationalismus
Bebten sich verschiebend und die antisozialen
Spannungen führten zu vulkanischen Entladungen

Die religiösen ungelösten Widersprüche
Erzeugten Stürme Tornados und Orkane
Wie auch die Meere über die Ufer traten

Ob der gestauten unterdrückten Freiheit
Die sich in einem Aufbäumen Luft verschaffte
Selbst der Himmel  Sonne Mond und Sterne

Erzitterten über das ignorierende
Anmaßende Unweltbild sich aufgeklärt nennender
Irrender ja verlogener naturwissenschaftlicher Ignoranz

Dann sah der Seher Wundervolles
Und dies wurde all das was schon immer
Darauf wartete gewollt ersehnt geliebt zu sein

 

 

 

 

 

 

 

Erleuchtung

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Wir wissen nicht was Buddha genau wahr nahm
Doch erhellt nimmst Du leuchtend wahr
Das die Steine dieser Mauer einst Meeresablagerungen

Damals Leben trugen nun verhärtet
Dir das Deine stützend tragen
Wie die Knochen eines gebleichten Skelettes

Die Gewissheit in sich bergen
Das einst ein Mensch aus Fleisch und Blut
Feurigem Geist sehnender Seele und Körper

Hier unten tief im Stoff geronnenen Lichts
Einen Seinen Lebensweg damit ging
Die Welt im Herzen erschauend und erfahrend

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geliebte

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Ohne Dich kann ich nicht leben
Ei warum lebst Du dann noch
Ach nur aus der Sehnsucht nach Dir

Du bist meiner Sonne Mond
Augenstern und täglich Brot
Dürstest mich Verschmachtenden

Mit nur einem Blick von Dir
Wenn ich wache oder träume
Immerda von mit nur Dir

Und unsere Hochzeit bald
Verlobte Angetraute mir
Öffne ich des Käfigs Tür

Das Du frei in die Lüfte fliegst
Dem Geliebten entgegen
Vereint auf immerda