Archiv für den Monat Juni 2017

Sprachlosigkeit

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In einem Telefongespräch
Das das Leid des Anrufers beinhaltete
Kam die Bemerkung
Historisch überliefert
Das ein hinzurichtenter Verurteilter
Als Er das Schafott bestieg
Dort oben im Angesicht des Todes
Seinem Henker die Hand reichend begrüßte
Und Ihm Seinen Dank für die
Nun schwere zu leistende Arbeit aussprach

Der Freund am Telefon
Das ist mir to match

Ich habe dann
Nach einer weiteren Schuldzuweisung Seinerseits
Das Gespräch abgebrochen

Opfer bedürfen des Mitleides
So Du es Ihnen vorenthältst
Machen Sie Dich unversehens zu einem
Weiteren Täter

Mitgefühl ist eine Geste
Den Leidenden in Selbstverantwortung
Einladend Seine Unbewusstheit spiegelnd
Seine Lebenserfahrung als von Ihm selbst
Inszeniert anzuerkennen

Noch eine Zumutung
Doch Mut steht der Verzagtheit im Wege
Ich bin der Schöpfer meiner Umstände
Und das Schicksal ist weder blind
Noch ungerecht

Der Henker damals erlebte
An Seinem Deliquenten
Einen heilsamen heiligen
Unvergesslichen Augenblick

Die Flamme der Würde
Brennt unlöschbar als Ewiges Licht
Im Dunkel hell und klar
Rein und wahr

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag

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Dieser Tag
Ein Leben
Eine Welt
Neigt sich dem Ende zu
Müde der Körper
Die Seele reich
Der Geist verlebendigt

Was geschah
Ich liebte
Und wurde geliebt

Mehr braucht Es nicht
Denn dies ist alles

Gute Nacht
Ich gehe jetzt dahin
Dort mit den Engeln
Kaffee trinken oder Tee

Träume weit und tief
Reise wohin Dein Herz sich sehnt
Nachts sind Deinem Wollen Flügel verliehen
So wie ein Pferd tags Seinen Menschen im Sattel trägt
Danach frei sich ergeht

Sternenkinder funkeln am Abendhimmel
Und Glühwürmchen geistern durch den Garten
So zünde auch ich
Die Lmpe der Dankbarkeit an
Hänge Sie an das Firmament
Links oben etwas weiter da rechts
Siehst Du Sie leuchten
Gut war dieser Tag
Gütig die Nacht

 

 

 

 

 

Veitstanz

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Auf dem Odeonsplatz
Vor der Feldherrenhalle
Dem Weiheort des NS Kultes
Der mythischen Gedenkstätte
Der Blutopfer des gescheiterten Putsches

Ein Arkordeonspieler
Klesmamusik
Ich tanze

Es tanzen mich
Der Schmerz
Die Freude
Ost und West
Täter und Opfer
Die braune Vergangenheit
Die lichte Gegenwart
Und die Goldene Zukunft

Menschen bleiben stehen
Stumm staunen fotografieren
Ich tanze um mein Leben
Auch ein Überlebender
Übriggebliebener
Aussteiger einstens
Einsteiger jetzt

Meine Schuhe drücken
Ich habe vergessen
Sie auszuziehen
Mein Atem geht schwer
Raucher der ich bin

Dann ist Es vorbei
Ich blicke dem Spieler
Einem Slawen dankbar in die Augen
Lege etwas in seinen Koffer

Verlasse die verletzte Stätte
Jetzt geheilt

 

 

 

 

 

 

 

Deine Freiheit

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Wenn Du ja DU
Die Freiheit tief verehrst
Sie sehnsüchtig begehrst
Inbrünstig herbeisehnst
Dann wisse glaube mir
Ich selber habe Es erlebt

Zuallererst
Befreie Dich

Denn als Gefangener
Wessen und von wem
Auch immer
Bist Du nur ein Verletzter
Verletzender lautloses Gewimmer

So Du Dich heilst
Und alles und alle
Die Dir je Leid und Schmerz
Zufügten oder wollten
Scheinbar oder auch wahr

Gib Sie frei vergebend klar
Dir selbst verzeihe auf immer
Groll Rachsucht Vorwurf
Halten fest Dein Schmerz
Wird dadurch nur schlimmer

Da dort
In jenem leeren Raum
Zwischen Leid und Freude
Liegt das Land der Freiheit
Unser aller Traum
Herzland seit Alters her mit Namen
Milde Achtsamkeit Sanftmut
Sind dafür nährend Samen

Verschenke verstreue Sie
Rechne weder Dankbarkeit noch Lohn
Lieben ist federleicht
Frei aller Frohn

 

 

 

Gewidmet

Allen Gefangenen
Leidtragenden
Kerkermeistern Ihrer eigenen Angst
Kaspar Hauser
Depressiven
Resignierten
Mutlosen
Verzweifelten
Friedensengeln in Berlin und München
Hunden ohne Leine
Singvögeln in Käfigen
Und Spatzen auf dem Dach

Für Neo in der „Matrix“

 

 

 

 

 

Auf ein Wort

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Wenn Deiner Sprache Klang wie Musik
Deiner Worte Stimmung Poesie
Sind die Geliebte und der Geliebte
Allzeit in Dir
Verehelicht allhier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wahrnehmung

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Einst oder war Es gerade eben
Womöglich wird Es morgen schon geschehen
In ferner Zukunft erst

Wer war dabei
Wer hat Es gesehen
Wer kann Es wissen

Zog eine Karawane durch die Wüste
Da hinter einer Düne brachen Räuber hervor
Umstellten die Reisenden und beraubten Sie
Aller Wertsachen und der Kamele

Zelte und Proviant ließen Sie uns
Und wie ein Spuk verschwandten Sie
In der flirrenden Hitze
Verschmolzen mit dem Horizont

Nach dem ersten Schrecken hob nun ein Jammern
Klagen und Schelten an

Gott wird Sie der gerechten Strafe zuführen
Allah Ihnen Seine Barmherzigkeit versagen
Und der Herr Sie direkt in die Hölle schicken

Ob der Kirchenmann Muslim und Jude dies nur wünschten
Oder Ihrem Gott anempfahlen wohl beides
Denn der Wunsch ist der Vater des Gedankens
Und die Tat die Mutter des Gefühls

Da trat ein unscheinbarer Käppchenträger vor die Aufgebrachten
Ach meine Brüder Schwestern seht Zelt Wasser Nahrung
Alles reichlich hier lasst uns ein Lager errichten
Und richtet nicht
Die nächste Karawane hier auf diesem alten Weg
Wird uns mitnehmen dies seid gewiss
Leben ist kostbarer denn Ware und Gut

Und das darf ich bescheiden verkünden
Meiner Frau träumte des Nachts oder war Es
Ein Tagtraum von einem Ihr Engel gesandt

Die Räuber kommen nach einem halben Tag
In einen furchtbaren Sandsturm
Alle werden zugrunde gehen
Wären wir weiter gezogen
Hätte uns der Tod ereilt
So danken wir dem Schicksal
Jenem Kismet und der Vorsehung
Das die vermeintlich Bösen
Uns zum rettendenden Segen gesandt

Da trat eine heilige Stille ein
Jenem brach der Schweiß aus
Dieser bekam Gänsehaut
Eine Andere Wasser in die Augen

Wahrnehmung gibt anstatt zu nehmen
Sann der Sprecher lächelnd nach
Was für ein Tag ich danke Dir

 

 

 

 

 

Der Himmlische Brief

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Ob hier das Göttliche
Einer der Himmlischen Helferengel
Oder einfach Dein Herz zu Dir spricht

Wer kann Es wissen
Wer war dabei
Wer hat Es gesehen

Das Zeitalter der Angst ist vorbei
Die Idee jedweder Schuld zuende
Das Rachegesetz aufgehoben
Und die Ära der Freude verkündt

Unser Geschenk ist bedingungslose Freiheit
Als bis in die Wurzelspitzen gehende Selbstverantwortung
Denn Du bist Es wonach das Leben selbst verlangt

Und Deiner Sehnsucht Durst
Dein Hunger nach Lebendigkeit
Wird am Brunnen des Liebens
In der Bäckerei des Mitgefühles gestillt

Nimm vor Deinem Geistigen Auge
Die gefolterte Leiche vom Kreuz
Opfer Schuld und Scham sind geheilt

Lege vor Deinem Seelischen Auge
Ein Tuch sei Es weiß sei Es bunt
Über die beiden leeren Seitenarme

Denn Du selbst bist ein Kreuz
Dein Leib von Ost nach West
Vom Himmel in die Erde gepflanzt
Und im Schnitt Kreuzungspunkt
Pulst und pocht Dein liebend Herz

Ich habe Dir nur Engel gesandt
Seien auch dunkle darunter gewesen
Nur Spiegel Schattenwürfe
Dir das Licht erkennbar werden zu lassen

Gott ist tot verkündete
Erkannte Friedrich Nietzsche
Dadurch konnte das Göttliche auferstehen
Göttin und Gott in einem in Dir
Vereint geeint allhier

Feiere das Leben
Dein Geburtstag ist heute
Wir sind mit bei in Dir
Sei Du für Dich
Der Welt ein Licht

 

 

 

 

 

 

 

Der Blinde

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Ja ich bin sehend blind
Ob Blume Schmetterling oder Christall
Deren Formen sehe ich wohl
Doch die Ideengeber Architekten Disigner allemal
Sind mir verborgen noch

Farben nehme ich wahr
Bunt und schön
Doch das Gefühl den Geschmack dafür nur erst ganz zart

Töne Klänge höre ich
Doch einen Lügner durchschaue ich noch nicht
Jenen Mißklang Seiner Angst
Zwischen den Worten knirschend

Dafür mein Herz hab Dank
Sehe ich in allem Lieben wirken
Ohne Unterlass verborgen offenbar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stimmungsbild

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Es gibt kein Thema
Weder Absicht noch Vorsatz

Wenn der Körper müde ist
Der Wolf Auslauf hatte
Und das Lamm gespielt

Der Mensch gearbeitet
Für Mensch und Tier
Dankbar sein Brot erhielt
Bleibt nur das Wesentliche

Einen Becher Sonnenlicht
Und eine Schale Mondenschein
Ein Fingerhut gefüllt mit Sternenfunkeln
Das teile ich mit Dir
Als Abendmahl bevor die Nacht erklingt

 

 

 

 

 

 

Die Seherin

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Eine Frau nahm im Walde eine Beere zu sich
Ob versehentlich oder absichtsvoll
Schicksalshaft geführt
Wer kann Es wissen
Wer hat Es gesehen
Wer war dabei

So wirkte diese Beere bald
Schaum vor dem Munde
Die Augen verdreht
Der Körper zuckte
Wie unter Strom stehend
Und Sie wand sich am Boden liegend

Dann begann Sie zu sprechen
Sonderbar fremd Ihre Stimme
Noch mehr das was Sie zu sagen hatte

Hört Ihr Menschenkinder
Wir die Götter Engel auch genannt
Sind in Bedrängnis bedürfen Euerer Hilfe

Die welche Ihr die Dunklen nennt
Jene gefallenen Engel sind wohl genährt
Denn Sie saugen gierig allen Hass
Zorn Rachsucht Lügen Neid und Mißgunst auf
Lassen Euch leer und ausgezehrt zurück

Wir die Lichten finden unser Ambrosia
Jenen Nektar der Götterspeiße
In all Euerer Wohlgesonnenheit
Bewunderung Staunen Ergriffenheit
Begeisterung Freude Dankbarkeit
Zärtlichkeit und Mitgefühl

Das sind die Köstlichkeiten
Und der Nachspeißen wie Poesie
Spielen Tanzen Musizieren sind
Düfte die zu Uns emporsteigen

Ihr habt keine Energiekrise
Allein das Wort ist künstlich verschleiernd
Von gierigen Ausbeutern suggeriert selbst gemacht

Wir sind gleich den Wolken am Himmelszelt
So kein Wasser mehr verdunstet
Trocknet der Himmel aus

Seid dessen eingedenk fühlt
Der Zeiten Not so wie Euer
Dichter Michael Ende in
Die unendliche Geschichte
Den Niedergang Fantasiens beschrieb

Da erwachte die Seherin aus der Trance
Und ich Ihr Begleiter
Habe dies getreulich zu berichten
Trug Sie mir inständig auf