Die Karawane

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Ob dieses, was ich als getreulicher Schreiber hier berichte,
wahr ist, geträumt, fantasiert, längst vergangen oder prophetische
Zukunftsschau sei, das mögest Du, geliebter Leser, selbst befinden.

Für mich jedoch, dem Chronisten von Blut, Tränen und freudigem Lachen,
ist`s klarste Gegenwärtigkeit.

So sitze ich hier in meinem Zelt. Die leuchtende Öllampe verschenkt
ihr trauliches Licht, kurz nach dem tobenden Sturm, innerlich noch ganz aufgewühlt,
der Zelteingang, halb verweht und schwärze das Blatt vor mir mit der
erlebten Wahrheit.

Unsere Karawane war gut vorangekommen, bis eines dämmernden Abends, wir
hatten gerade das Lager errichtet, ein Wächter jenen Fremden zu uns brachte.
Ein Hund verbellte ihn, in einer Senke kauernd und seiner Sprache unkundig,
ward nach dem Übersetzer gerufen.

„Blume in der Mauerfuge“ sei sein Name. Er verstoßen, weil in einer Gemeinschaft anders denkend, sonderbar fühlend und gar seltsam handelnd.
Töten wollten sie ihn nicht. Märthyrer konnten auch als Tote erst gefährlich sein.
Ausgesetzt in der Wüste, als „Gottesurteil“, ob er überlebe oder sterbe.

Wie, soll denn der Himmel ein Henker sein ?
Welch Gotteslästerung!

Der Rat beschloss ihn drei Tage hinter der Karawane herziehen zu lassen,
schlafend, außerhalb der Blume aus Zelten, abseits, alleine, denn, ob er krank, besessen, ein Spion oder Entflohener sei, wer kann das wissen, wer hat`s gesehn,
nur einen Ring von Kunstfertigkeit tragend, den er auch gestohlen haben könnte,
kein Reisepapier, Empfehlungsschreiben oder Rechtsbeweis war ihm zu eigen.

Kurz vor Ablauf der Frist war er verschwunden, weg, aufgelöst in Luft.

Und als die Stunde des scheidenden dritten Tages kam, erstarrte der Zug, denn
vor uns ragte eine mannshohe, drei Kamellängen breite Mauer aus verwitterten
Steinen empor und zwischen den Fugen blühte eine Blume, ob türkis, blau oder azur,
da gehen die Berichte auseinander, denn das Licht war schon zu müde und fahl.

Ein betretenes Schweigen erfasste uns lähmend, bis ein forsches Kind hinter die Mauer sprang, unbefangen und alsbald heiteres Jauchzen und Lachen erklang.

Ein Mann trat hervor, das Kind an der Hand, jetzt unverhüllt offen sein Antlitz.
Der Gastgeber, unser verehrter Geliebter selbst, den wir verkannt, verbannt.
Zu dessen hoher Hochzeit wir ja ausgezogen, unter Gefahr von Leib und Leben und
Er uns zu beschützen entgegenkommend, verhüllte wie das Sonnenlicht von Gewölk.
Ach wie freuten wir uns an Ihm und für Ihn, ja mit Ihm vereinigt zu sein!

Eine Sternschnuppe huschte durch das Himmelszelt.

Jeder Tag ist eine Probe, darum versucht einander nicht
Ein jeder Bettler vor der Türe kann, nur verkleidet, der Geliebte sein
Selbst der Tod ist dem Liebenden Freund
Denn was außer Ihr soll es noch geben?
Hier endet oder beginnt das Abenteuer

Dankend dem Kismet
Der Chronist El Afibiey
huuu

 

 

 

 

 

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